Endet lineares Fernsehen mit der Generation unserer Kinder?

Mythos Nummer zwei, dem sich Alan Wolk in seiner Präsentation widmet, ist die Frage ob Jugendliche, überspitzt ausgedrückt, lineares Fernsehen komplett ignorieren und stattdessen nur Netflix auf ihren Tablets sehen. Er setzt dem Zahlen gegenüber, die besagen, dass noch 71% der Jugendlichen zwischen 8-18 Jahren einen Fernseher im Kinderzimmer haben, und dass nur 20% der 14-23jährigenn ein Tablet für den Fernsehkonsum nutzen.

Für mich heißt das an dieser Stelle: Suche nach entsprechenden Zahlen aus Deutschland. Dies vorbehaltlich zweier Dinge: die Medienausstattung der Jugendlichen mit eigenen Fernsehern ist in Deutschland natürlich nicht so hoch – und auch der Markt der entsprechenden Anbieter für lineares Fernsehen ist noch nicht so differenziert wie in den USA.

Ist Video on Demand die Zukunft – und klassisches TV ein Auslaufmodell?

Gelten die von Alan Wolk als TV Mythen bezeichneten Mechanismen auch in Deutschland? Wie geschrieben, will ich die einzelnen Mythen daraufhin genauer betrachten. Ich beginne mit dem Cord-Cutting, d.h. der vermuteten Abwanderung vor allem technisch versierter Millenials weg vom Kabel-Abo hin zu non-linearen Video on Demand Diensten wie Netflix. Alan Wolk widerspricht hier und führt an, dass Kündigungen des Kabelanschlusses häufig ökonomisch bedingt sind und nicht zwingend dazu führen, einen Ersatz zu buchen.

Ausgangssituation – Preissstruktur im deutschen TV-Markt

Um die These für den deutschen Fernsehmarkt zu untersuchen, bedarf es zunächst einer kleinen Anpassung. Im Vergleich zum stark durch Pay-TV-Angebote geprägten US-Markt ist der deutsche TV Markt anders strukturiert. In den USA fallen, je nach Kabelanbieter, zwischen 65 und 85 US-$ pro Monat (46,90 – 61,33€ lt. Wechselkurs vom 11. März) für einen Kabelempfang an. Als Grundlage meiner Preisrecherche habe ich angenommen, dass zumindest das Angebot von HBO und damit Serien wie Game of Thrones im Kabelpaket enthalten sein sollte. In den USA lassen sich für den Wechsel zu reinen Video on Demand Anbietern drei Motive ausmachen. Der Wunsch nach Kostenersparnis, der Wunsch nach einer individuellen und unabhängigen Programmgestaltung sowie der Wunsch nach guten, auf die eigenen Konsumwünsche angepassten Inhalten. Dass Wolk für die USA vor allem ersteres als Grund für Cord-Cutting ausmacht, hat er hier ausgeführt.

Sponsored Post: Prime Instant Video startet in Deutschland

Noch vor kurzem drehte sich die Diskussion im Web-Video Bereich nur um die Frage wann und ob Netflix in Deutschland startet. Und dann kam Amazon. Ab heute ist Amazon Prime, das bisher in Deutschland nur Gratis-Express-Versand und die Kindle-Leihbibliothek beinhaltete, um die Streaming-Inhalte von Lovefilm unter dem Namen Prime Instant Video ergänzt. Und das zum Kampfpreis von 49 Euro im Jahr mit Zugriff auf 12.000 „Titel“ – da setzt Amazon gleich eine erste Duftmarke.

Um kurz aufzudröseln, was es online gibt – weil unterschiedliche Zahlen kursieren:

  • Prime Instant Video mit 12.000 Titeln entweder als Jahrespaket für 49 € inklusive der Prime Features oder als reines On-Demand Angebot zum Monatspreis von 7,99 €.
  • Instant Video Shop mit 25.000 Titeln, diese können geliehen oder gekauft werden.