Mythos Nummer zwei, dem sich Alan Wolk in seiner Präsentation widmet, ist die Frage ob Jugendliche, überspitzt ausgedrückt, lineares Fernsehen komplett ignorieren und stattdessen nur Netflix auf ihren Tablets sehen. Er setzt dem Zahlen gegenüber, die besagen, dass noch 71% der Jugendlichen zwischen 8-18 Jahren einen Fernseher im Kinderzimmer haben, und dass nur 20% der 14-23jährigenn ein Tablet für den Fernsehkonsum nutzen.

Für mich heißt das an dieser Stelle: Suche nach entsprechenden Zahlen aus Deutschland. Dies vorbehaltlich zweier Dinge: die Medienausstattung der Jugendlichen mit eigenen Fernsehern ist in Deutschland natürlich nicht so hoch – und auch der Markt der entsprechenden Anbieter für lineares Fernsehen ist noch nicht so differenziert wie in den USA.

Die aktuellste JIM-Studie (Jugend, Information (Multi-)Media) gibt einen ersten Anhalt für die Zahl der Fernseher. Laut den Daten der Studie besitzen 58% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren einen eigenen Fernseher. 88% der Jugendlichen sehen täglich oder mehrmals wöchentlich fern, dafür nutzen 98% den Fernseher und 15% sehen über das Internet fern.

Wie sieht es nun mit der Nutzung und der tatsächlichen Verbreitung von Tablets aus? Dazu werfe ich zunächst einen Blick auf einen Beitrag von Birgit van Eimeren zu den Daten der ARD & ZDF Onlinestudie. Dort ist festgehalten, dass im Jahr 2013 19% der Haushalte über ein Tablet verfügten, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 11 Prozentpunkte. 15% der befragten Jugendlichen nutzen (nicht ausschließlich) ein Tablet, um ins Netz zu gehen. Bleibt noch die letzte Frage nach der Nutzung von linearem Fernsehen vs. nonlinearer Video-on-Demand Angebote. Hier kann wiederum ein Artikel von Eimeren und Frees etwas Licht ins Dunkel bringen. Tatsächlich ist es so, dass jüngere Nutzer häufiger Bewegtbildinhalte im Internet konsumieren. Demgegenüber steht ein generell niedrigerer Fernsehkonsum. Nach Daten der ARD und ZDF Onlinestudie sehen Erwachsene ab 14 Jahren am Tag im Schnitt 242 Minuten fern, zusätzlich 2 Minuten zeitversetzt und 10 Minuten Sendungen und/oder Videos im Internet. Betrachtet man die Altersgruppe der 14 bis 29jährigen, so lässt sich hier eine größere Bedeutung von Videokonsum über Internet im Verhältnis zu linearem Fernsehen ausmachen. 134 Minuten entfallen auf lineares Fernsehen. Beim Konsum von Videos über das Internet kommt diese Altersgruppe auf 27 Minuten, was einem einem Anteil von 17% am gesamten Bewegtbildkonsum im Vergleich zu 4% bei allen Zuschauern ab 14 Jahren entspricht.

Fazit

Festzuhalten ist auch für Deutschland: Das Bild des Jugendlichen, der lineares Fernsehen abgeschaltet hat und stattdessen nur online – auf welchem Gerät auch immer – konsumiert, ist (noch) nicht korrekt. Gleichzeitig sieht man aber, dass sich das Nutzerverhalten weg zu zeitversetztem Fernsehen und zu einer Erweiterung der Programmangebote durch Aufnahme von Video on Demand Plattformen verschiebt.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über 7 Mythen, die Alan Wolk zum Niedergang des Fernsehens ausgemacht hatte. Bisherige Beiträge:

 

Endet lineares Fernsehen mit der Generation unserer Kinder?

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