Nachdem klar war, dass wir Nachwuchs bekommen, häuften sich Rückfragen wie folgt: „Und – nimmst Du die Vätermonate?“ Ich: „Ja, ich nehme auch Elternzeit.“. Ich will den Fragenden nichts unterstellen – aber die sogenannten Vätermonate sind ein gutes Beispiel, wie mit der Besetzung von Begriffen Politik gemacht wird. Die einfache Formel 12+2 = 14 Elterngeldmonate – und dabei 2 = Vätermonate hat sich im Bewusstsein vieler Menschen in Deutschland eingebrannt.

Zur Einleitung unsere Aufteilung: wir haben uns die insgesamt 14 Monate hälftig aufgeteilt, wobei wir den ersten Monat gemeinsam genommen hatten, etwas, was ich allen Vätern nur empfehlen kann! Die nächsten 5 Monate blieb meine Frau zu Hause, Monat 7 teilten wir uns wieder. Während meine Frau in Teilzeit anfing zu arbeiten, hörte ich in Teilzeit langsam auf. Die Monate 8 bis 12 gehören nun mir. Insgesamt haben wir also 14 Monate Elterngeldbezug auf 12 Lebensmonate aufgeteilt. Mit 7 Monaten Elternzeit bzw. Elterngeldbezug gehöre ich zu einer Minderheit in Deutschland, nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts beziehen nur 13,9 % der deutschen Väter bzw. 11,0 % der Väter in Bayern für einen  Zeitraum von 3-9 Monaten Elterngeld. Im Schnitt sind es 3,3 bzw. 2,8(Bayern) Monate.

Das Weiterlesen könnt ihr euch nun sparen, wenn ihr gegen Fremdbetreuung von Kindern in Kinderkrippen, für eine klassische Rollenaufteilung Hausfrau – alleinverdienender Vater, und gegen einen schnellen Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf seid.

Ungerechtigkeit Nr. 1: Monat Nummer 7, in dem wir beide teils Elterngeld bezogen und teils auch noch Gehalt, wird als zwei Bezugsmonate gezählt. Eine entsprechende Änderung, die noch von Ursula von der Leyen angestoßen wurde und auch im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung stand, wurde zugunsten des Betreuungsgelds hinten angestellt.

Ich würde es jedem Vater empfehlen, so viele Elterngeldmonate zu nehmen wie möglich. Die Zeit mit den Kleinen ist wertvoll – und warum sollte sie sich nur auf den Morgen, den Abend und das Wochenende beschränken? Zwei Hürden gilt es dabei zu überwinden: Arbeitgebern ist mittlerweile zwar klar, dass Väter Elternzeit beanspruchen, aber alles, was über zwei Monate hinaus geht, ist ungewöhnlich. Darüber hinaus solltet ihr es auch von den Müttern einfordern. Finanzielle Notwendigkeit mal ausgeklammert, gibt es meiner Meinung nach keinen Grund, der dagegen spricht, dass ihr nach den ersten 6-7 Lebensmonaten die Verantwortung für euer Kind in die Hand nehmt und die Mütter wieder arbeiten gehen. Und, liebe Väter: drei Monate sind zwar nett, aber höchstens ein Anfang und kein wirklicher Grund mit stolzgeschwellter Brust umherzuwandeln. 🙂

Bevor ich mich hier in den nächsten noch verbliebenen Monaten mit meiner Tochter eher alltäglichen Dingen und Fragestellungen widme, noch ein Einblick in die Welt der wundersamen Fragen und Anmerkungen, mit denen man als Vater in Elternzeit konfrontiert ist:

  • Frage 1: Geht das überhaupt?
    Wie oben aufgeführt – ja, es geht. Solange Mutterschutz und die 12/2 Aufteilung berücksichtigt sind, gibt es keine Beschränkungen. 14 Monate Elterngeld erhält man, wenn einer der beiden Partner mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt. Dabei gibt es keine Beschränkungen, schon gar keine Regelung, dass es nur zwei Vätermonate gibt.
  • Frage 2: Ist Deine Frau auch zu Hause?
    Häufig gefragt von Personen, denen ich die Aufteilung schon erklärt habe. Nein – meine Frau ist nicht zu Hause. Warum auch? Um mir die eigentliche Arbeit mit dem Kind abzunehmen? Weil ich es alleine nicht kann? Dabei wird auch eines klar, Männer. Wenn ihr zu Hause seid, liegt die Verantwortung für den Haushalt bei euch. 🙂
  • Frage 3 – eigentlich eher eine Behauptung: So früh will sie wieder arbeiten?
    Häufig gestellt von Frauen, bevorzugt ohne eigene Kinder. Impliziert auch: Deine Frau wird sich vom Kind nicht trennen können/wollen. Und: bis dahin soll sie schon abgestillt haben? Das klappt bestimmt nicht, ihr werdet schon sehen. Doch, das geht. Und auch ich merke beim Gedanken an die nahende Krippenzeit, dass Loslassen gar nicht so einfach ist. Eine enge Bindung ans Kind ist kein mütterliches Privileg.
  • Frage/Anmerkung 4: Der Kleine friert/schwitzt doch!
    Bevorzugte Äußerung von älteren Damen, wenn meine Tochter nicht von Kopf bis Fuß in Rosa gekleidet ist. Varianten davon beschäftigen sich mit Erörterungen zur Frage, warum mein Kind denn gerade schreit. Tipps kommen zwar auch ab und an, wenn meine Frau mit unserer Tochter unterwegs ist, bei mir äußert sich aber so hauptsächlich die Sorge der alten Damen, ob denn der junge Mann auch mit dem kleinen Kind zurecht kommt.
  • Frage 5: Wann seid ihr das letzte Mal im Kino gewesen?
    Häufige Frage unter Müttern bei Gymnastikkursen, Pekip,… Diskutiert wird dann häufig darüber, dass die Väter sich nicht trauen, alleine mit dem Kind zu Hause zu bleiben. Oder dass es Ihnen nicht zugetraut wird. Jetzt mal an die Mütter: wenn ihr Freiräume wollt – müsst ihr Verantwortung abgeben und den Vätern vertrauen!

Ende – mein Kind riecht…

Sieben Vätermonate
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