Alan Wolks 7 Mythen über den Niedergang des Fernsehens

Vor ein paar Wochen hatte ich einen kurzen Artikel über Alan Wolks Thesen bei OneTVMag gelesen – und es beschäftigt mich immer noch. Seine Präsentation zu sieben Mythen über den Zustand des Fernsehens in den USA trifft für mich auf den Punkt. Kurz zusammengefasst verneint er sieben allgemein verbreitete Thesen über den Niedergang des klassischen Fernsehens, in den USA ist das im Gegensatz zu Deutschland natürlich geprägt von den großen Kabelnetzwerken.

Ich werde in den nächsten Tagen versuchen, die Thesen von Alan Wolk, die auch fast vollständig für Deutschland, wenn auch leicht abgewandelt, in den Raum gestellt werden können, auf den hiesigen Fernsehmarkt und dessen Gültigkeit hin zu prüfen. Zu seinen Thesen im Einzelnen:

Internetfernsehen – Zukunft des Medienkonsums?

Internet ist das neue Fernsehen, heißt es, alternativ – das neue Fernsehen befindet sich im Internet. Bevor ich meine Ansicht über die Zukunft des Internetfernsehens weiter ausführe, will ich kurz einen Blick auf das alte bzw. das aktuelle Fernsehen werfen. Was hat Fernsehen in der Vergangenheit ausgemacht? Welche Inhalte wurden wann, wie und warum konsumiert?

Gründe für den Fernsehkonsum

Früher wie auch heute stellt sich vor dem Konsum eines audiovisuellen Inhalts die Frage, warum der Zuschauer überhaupt fern sieht und was sein Rezeptionsverhalten ausmacht. Als Gründe sind denkbar:

  • Ein gezielter Konsum bestimmter Sendungen zu bestimmten Uhrzeiten. Wann ferngesehen wird, hängt zum großen Teil von der persönlichen zeitlichen Verfügbarkeit ab, z.B. zum Feierabend, an Wochenenden,… Daneben haben sich in Deutschland über Jahre hinweg Gewohnheiten ausgebildet. Die Tagesschau als reichweitenstärkste Nachrichtensendung – unter Berücksichtigung der Dritten Programme – legt den Beginn des Fernsehabends auf 20:15 Uhr. Daran konnten auch Versuche der Privatsender, die Prime Time um 20 Uhr einzuläuten, nichts ändern. Zuschauer schalten in diesem Fall also den Fernseher gezielt ein, um ein bestimmtes Programm zu sehen.
  • Ein Konsum als reiner Zeitvertreib. Fernsehen stellt im Gegensatz zu anderen Freizeitbeschäftigungen die attraktivste Variante dar. Dabei kann gezielt ein bestimmter Inhalt konsumiert werden, darüber hinaus ist auch die Rezeption von Fernsehen generell denkbar. Im Sinne von Zubayr(Der treue Zuschauer: Zur Programmbindung im deutschen Fernsehen, 1996) spricht man von Media Seeking – d.h. der Zuschauer sieht einfach fern. Je nach individuellem Verhaltensmuster wird dabei aus einem gezielten Set an Sendern gewählt oder man schaltet durch das Programm. Konsumiert wird das Programm mit dem geringsten Umschaltreiz (Least Objectionable Program) – so lange, bis ein Umschaltreiz entsteht. Hierbei entsteht bei Sendungsende und der Rezeption der nachfolgenden Sendung auch der sogenannte Audience Flow, d.h. der Übernahme bzw. Übergabe von Publikum von einer Sendung an die andere.

Übertragungswege und Usability

Klassischerweise wird das Fernsehprogramm terrestrisch, über Kabel oder über Satellit empfangen – zunächst analog, dann digital. Je nach Empfangsart stehen unterschiedlich viele Fernsehprogramme zur Auswahl. Dabei wählt der Fernsehzuschauer jedoch auch mit steigender Anzahl verfügbarer Kanäle nach wie vor aus einer geringen Zahl an Kanälen, dem Relevant Set sein gewünschtes Programm aus. Die Programmauswahl erfolgt über die Fernbedienung. Im Normalfall wählt man das Programm direkt über Eingabe der Programmnummer, oder wechselt auf das nächsthöhere oder niedrigere Programm mit Hilfe der Pfeiltasten.