Nach dem Totalausfall unseres Autos in diesem Juli (die romantisierte Geschichte lest ihr unten) hatte ich schon vor einiger Zeit unsere Entscheidung angerissen, in Zukunft auf ein eigenes Auto verzichten zu wollen. Basis für diese Entscheidung war die Analyse unserer Mobilitätsdaten, also eine Art Small-Data-Analyse. Die Entscheidung hat sich bewährt, weswegen ich gern einen etwas ausführlicheren Einblick auf den Weg dorthin geben will. Das Ergebnis kam überraschend – aus dem Bauch heraus fühlte es sich so an, als wäre ein Leasing-Vertrag eine gute Wahl.

Unsere Ausgangslage

Ausgangslage unserer Berechnung war, dass wir den Anteil der Bahnfahrten nicht reduzieren und unsere Bahncards weiterhin behalten. Der Komfort einer Bahnfahrt wird spätestens für die Strecke München – Binz deutlich, vor allem, wenn man mit Kind reist. Um zu präzisieren: wir gingen davon aus, alle Bahnfahrten weiterhin mit der Bahn zu machen und nicht auf den PKW umzusteigen.

Die Herangehensweise

Um eine Entscheidungsgrundlage zu haben, betrachteten wir die Fahrten der letzten 12 Monate, und zwar alle Fahrten, auch wenn diese nicht von der ganzen Familie unternommen wurden. Annahme war, dass sich unsere Fahrten in den nächsten 12 Monaten in ungefähr dem gleichen Rahmen bewegen würden. Insgesamt kamen wir auf 29 Fahrten, davon 13 mit dem Auto, der Rest mit der Bahn.

Als weitere Mobilitätskosten haben wir sämtliche Kosten rund um das Auto (Reparaturen, Tiefgarage, ADAC, Steuer,…) sowie die Kosten für die Bahncards erfasst. In Summe lagen unsere Kosten bei 5.942 €, davon 2.822 € für Bahnfahrten (inklusive Bahncards), 1.283 € für Benzin und der Rest für PKW-Nebenkosten. Diese Kosten bildeten nun den Benchmark, gegen den sich die unterschiedlichen Modelle messen lassen mussten. Das Auto selbst war schon so alt, dass wir auf einen Wertverlust und eine etwaige Abschreibung verzichten konnten. Das macht die Sache für einen Neukauf natürlich schwer, weswegen diese Option zunächst ausschied.

Für uns im Pool waren:

  • Die Bahn
  • Carsharing (Flinkster)
  • Carsharing (Stattauto)
  • Mietwagen
  • Leasing

Für jede der 13 mit dem Auto gefahrenen Strecken hatten wir nun die Kosten und hierfür die jeweils günstigste Variante ermittelt. Wie angedeutet – das Ergebnis überraschte. Die bei Verkehrsmitteltreue insgesamt günstigste Variante war der Komplettumstieg auf die Bahn, die teuerste Variante ein Leasing-Vertrag, wobei wir von einer Fahrzeuggröße ausgingen, die in etwa unserem Subaru entspricht. Da ist noch Puffer nach unten, allerdings nicht all zu viel. Ganz konkret:

VerkehrsmittelKosten
Kosten Bahn4.304,10 €
Kosten Flinkster6.677,50 €
Kosten Stattauto5.850,30 €
Autovermietung (Diesel)5.118,53 €
Kosten Vergleichszeitraum5.941,96 €
Kosten Leasing7.588,76 €
Kombi aus Mietwagen und Bahn4.145,21 €

Geliebäugelt hatten wir mit unterschiedlichen Car-Sharing-Modellen, allerdings spricht das Ergebnis für sich. Mittlerweile auch schon getestet und als gut befunden: wir fahren viel Bahn und vereinzelte Strecken, vor allem längere Strecken zu Verwandten, mit einem Mietwagen.

Unser Leben ohne Auto

„Ihr werdet noch sehen“, ist ein oft gehörter Kommentar zu unserem Plan. Bis jetzt funktioniert das Leben ohne Auto sehr gut. Als kleines Hintertürchen haben wir aktuell noch unseren Tiefgaragenplatz, den wir erst Ende des Jahres freigeben wollen. Kurz ein paar Antworten auf „und wie macht ihr das mit Ikea?“ oder „wie macht ihr das mit dem Einkaufen?“:

Wir haben die Online-Bestellung von Lebensmitteln für uns entdeckt. Konkret bestellen wir regelmäßig eine Bio-Gemüsekiste beim Amperhof, hinzu kommen Online-Bestellungen bei REWE, dem Supermarkt, bei dem wir ohnehin auch offline einkaufen. Die schwersten Lebensmittel (Obst, Gemüse, Saft, Mehl,…) und Haushaltswaren wie Spülmittel werden uns direkt vor die Haustür geliefert. Ergänzungseinkäufe für den täglichen Bedarf erledigen wir wie bisher in der Mittagspause oder auf dem Heimweg. Meine Frau fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit – ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bei Ikea waren wir bis jetzt noch nicht, allerdings gibt es einen Baustein in unserem Mobilitätkonzept, der auch einen Ikea-Besuch möglich macht (außer der Tatsache, dass auch Ikea liefert oder Transporter vermietet). Wir haben uns bei Flinkster registriert und können hier zu Stundenpreisen auf Flinkster-Autos zurückgreifen. Für den „Tagesbedarf“ ist das meist ein Citroen DS3, aber es gibt auch Transporter zu mieten, die sogar noch mehr fassen als unser Subaru.

Flinkster im Einsatz
Flinkster im Einsatz – hier auf dem Parkplatz des Wildparks in Poing

 

Fazit

Die Betrachtung sieht sicherlich komplett anders aus, wenn ein anderes Fahrverhalten (etwa mit dem Auto zu pendeln) zu Grunde gelegt wird oder wenn man nicht in einer Großstadt wohnt (wo z.B. REWE vor die Haustür liefert und Carsharing mit Flinkster funktioniert). Für uns ist die Lösung in der aktuellen Situation aber ideal.

Und noch eine Anmerkung der Fairness halber:  Hilfe der Schwiegereltern gibt es auch – z.B. indem Sie uns (trotz fehlendem Ersatz) für unseren Sommerurlaub in Ostfriesland wie geplant ihr Auto ausgeliehen hatten (mehr Platz + Fahrradgepäckträger). Die Lösung, unsere Fahrräder mit dem DB Kurierdienst zu transportieren wäre  zwar möglich gewesen, aber hätte unter Umständen den Urlaub gesprengt, wenn man die Zuverlässigkeit des Kurierdiensts auf dem Rücktransport nach München (mehr als eine Woche Verspätung) zugrunde legt. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Der Bonus: wie unser Auto die Grätsche machte

Wie angekündigt, hier die Geschichte der letzten Kilometer unseres Autos, und das ist vor allem eine Geschichte über Hilfsbereitschaft.

Im Juli diesen Jahres heiratete ein guter Freund auf Burg Rieneck im Spessart. Als Trauzeuge hatte ich mir den Freitag frei genommen und geplant mit meiner Tochter schon früher Richtung Norden zu fahren. Mit im Auto: zwei Freundinnen des Bräutigams, die ich bis dato nur flüchtig kannte, eine davon schwanger. Meine Frau reiste mit dem dem Mann der Schwangeren nach. Die Performance unseres Subaru hatte in letzter Zeit schon nachgelassen, doch Hinweise darauf bei unserer Autowerkstatt wurden meist abgewunken. Auf der Autobahn (Stau, Stau & Stau) hatte ich schon gemerkt, dass der Subaru am Berg nicht mehr wirklich zieht, was sich mit der Zeit auch noch verstärkte.

Abfahrt Hammelburg – letzte Kilometer nach Rieneck. Wir waren auf der Zielgeraden, als an einem der letzten Berge(kurz vor Weyersfeld), das Auto ganz den Geist aufgab. Es ging einfach nicht mehr. Den ursprünglichen Gedanken, das Auto noch über den Berg zu schieben (so 3oo Meter) hatten wir schnell aufgegeben, da tauchte unser Engel auf, hielt im Gegensatz zu den anderen Autos an und fragte, ob wir Hilfe brauchen. Mit gemeinsamen Kräften wurde das Auto gedreht, so dass wir den Berg wieder hinunterrollen konnten, um an der nächsten Bucht zu halten.

Er schlug vor, gemeinsam in den nächsten Ort zu fahren, um dort in einer Autowerkstatt einen Abschleppdienst zu organisieren. Ich stieg ein, mit etwas mulmigem Gefühl (eine der Damen wollte ich nicht fahren lassen – gleichzeitig ließ ich aber meine Tochter alleine). Aber kein Grund zur Panik, der Abschleppdienst war schnell organisiert, unser Auto sollte in die Werkstatt in Weyersfeld gebracht werden. Und der Engel bot an, uns noch ein Stück mitzunehmen. Er hatte, weil er morgen in den Urlaub starten wollte, einen komplett leeren VW Touran bei seinem Arbeitgeber ausgeliehen. Am meisten faszinierte mich seine Begründung, warum er hilft. Er meinte, er in gleicher Situation (mit Kind liegen zu bleiben) würde er sich auch über jede Hilfe freuen – und das vor allem auch mit dem Urlaub vor Augen. Als er dann auch noch realisierte, dass ich eine Schwangere im Auto habe, wurde aus einem Stück schnell „ich fahre euch bis nach Rieneck“.

Gepäck, Mitfahrerinnen und Tochter wurden komplett umgepackt und wir bis auf den Burghof chauffiert. Den Austausch von Adressen, eine Entschädigung oder ein Dankeschön lehnte der Engel mit dem Hinweis auf einen möglichen Engel für ihn ab. Und ich erinnerte mich daran, wie ich im letzten Jahr einer jungen Familie auf dem Parkplatz des Memminger Flughafens mitten in der Nacht Starthilfe geleistet hatte, indem wir mit dem Abschleppseil verbunden über den Parkplatz kurvten. Und damals ebenfalls einen angebotenen Kasten Bier als Dankeschön abgelehnt hatte. 🙂

Das Ende vom Lied: die Reparaturkosten (Kupplung & mehr) hätten den Restwert unseres Autos weit überstiegen. Wir haben uns deswegen, schweren Herzens, dafür entschieden, ihn nicht nach München nachzuholen und der Entsorgung zukommen zu lassen. Womit wir wieder beim Anfang der Geschichte wären: warum wir auf ein eigenes Auto verzichten.

 

Subaru Impreza - das letzte Bild
Subaru Impreza – das letzte Bild
Warum wir auf ein eigenes Auto verzichten

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