Endlich geschafft – Netflix ist in Deutschland angekommen. Alles wird besser. Das Fernsehprogramm, die Auswahl verfügbarer Serien-Streams, die Usability und überhaupt. Die ersten Reaktionen sind auch schon da – und konzentrieren sich meist auf die angebotenen Inhalte und die damit verbundene Frage ob Netflix denn nun enttäuscht oder revolutioniert. Zu den Inhalten, die letzten Endes über Erfolg und Misserfolg des neuen Konkurrenten von Watchever und Co entscheiden werden, wurde schon viel gesagt und wird in Zukunft wahrscheinlich auch gesagt werden. Ich will mich da nicht ausschließen. Mein erster Blick auf Netflix geht allerdings auf die Usability. Ich habe, woher auch immer, halb im Ohr, dass diese überragend sein soll, und hatte dies bis jetzt auch auf die Bedienung und nicht den einzigartigen Algorithmus zur Empfehlung und Filterung neuer Inhalte bezogen. Also: ein Blick auf die Bedienung von Netflix.

IMG_0181

Schöne bunte Streamingwelt

Die iPad-App ist der erste Kontaktpunkt meiner Wahl. Zwar ginge auch Apple TV, doch ist die Bedienung da erwartungsgemäß fummliger. Sherlock, alle drei Staffeln, das ist ja schon mal nicht schlecht. Doch als ich auf Sherlock klicke, werde ich zunächst stutzig. Wo um alles in der Welt verstecken sich die anderen Staffeln? Die Lösung: auf Staffel 1 Tippen. Dann kommt eine Auswahl. Hier auf die gewünschte Staffel klicken und schon kann man die Episode auswählen. Schon? Ich setze die dritte Staffel von Sherlock auf meine Liste und sehe mir die nächste Serie an. House of Cards.

Mit stolzgeschwellter Brust präsentiert Netflix hier erweiterte Programminformationen. So erweitert, dass ich auf den ersten Blick nicht sehe, um welche Staffel es sich hier handelt, oder was genau gestartet wird, wenn ich auf Abspielen klicke. Die Auswahl der zweiten Staffel: auch hier versteckt, in einem Dropdown nur an anderem Ort und in anderer Gestaltung. Und noch einmal: ich setze House of Cards auf meine Liste.

Zum Vergleich mal ein Blick auf die Konkurrenz: So macht es Amazon:

IMG_0178 Und so Watchever.

IMG_0179

Gesehen? Ich kann die Staffel direkt auswählen. Ohne über Los zu gehen. Das spart Zeit, mir Nerven und macht einen wesentlich aufgeräumteren Eindruck. A propos aufgeräumt:

IMG_0185

Klar, es geht um Videostreaming, und nicht darum, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen, aber bitte, Netflix, für die leere Fläche da oben rechts hätte man sich schon etwas einfallen lassen können. Oder? In Meine Liste klicke ich abschließend auf Sherlock. Zu meiner Überraschung lande ich bei Bild 1. Nicht Staffel 3, in der ich auf „Auf meine Liste setzen“ geklickt hatte ist in meinen Lesezeichen. Nein. Ganz Sherlock. Und um zu Staffel 3 zu kommen…

Mein Fazit: um meine Nerven als potentieller Kunde zu schonen wäre es durchaus angebracht, dass Netflix über den Tellerrand hinaus blickt. Und sich in Sachen Usability von der Konkurrenz inspirieren lässt. Und noch ein Punkt, der beim Screenshot von Watchever gleich ins Auge fallen sollte. Der „Offline-Modus“. Als weitere Schwachstelle von Netflix würde ich das, ebenso wie DWDL auch sehen. Ich werde am Samstag Zug fahren. 6 Stunden lang. Da ist Zeit für die ein oder andere Serie. Vielleicht die Netflix-Eigenproduktion Lillehammer? Aber gern doch – im Offline-Modus von Watchever.

Hallo Netflix – Nachsitzen bitte!
Markiert in:            

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.