Vor ein paar Wochen hatte ich einen kurzen Artikel über Alan Wolks Thesen bei OneTVMag gelesen – und es beschäftigt mich immer noch. Seine Präsentation zu sieben Mythen über den Zustand des Fernsehens in den USA trifft für mich auf den Punkt. Kurz zusammengefasst verneint er sieben allgemein verbreitete Thesen über den Niedergang des klassischen Fernsehens, in den USA ist das im Gegensatz zu Deutschland natürlich geprägt von den großen Kabelnetzwerken.

Ich werde in den nächsten Tagen versuchen, die Thesen von Alan Wolk, die auch fast vollständig für Deutschland, wenn auch leicht abgewandelt, in den Raum gestellt werden können, auf den hiesigen Fernsehmarkt und dessen Gültigkeit hin zu prüfen. Zu seinen Thesen im Einzelnen:

  1. Cord-Cutting ist eine Massenbewegung, getrieben von technisch versierten Millenials, die ihren Fernsehkonsum ins Netz verlagern. Alan Wolk setzt dagegen, dass Kündigungen häufig ökonomisch bedingt sind und nicht durch non-lineare Dienste wie Hulu, Prime Instant View oder Netflix ersetzt werden.
  2. Kinder ignorieren klassisches lineares Fernsehen und sehen nur Netflix auf ihren iPads. Wolk dazu: In den USA steht in 71% der 8-18jährigen Kinderzimmer ein Fernseher. Eine Deloitte-Studie stellte fest, dass lediglich 20% der Jugendlichen 14-23 Fernsehen auf einem Tablet sehen.
  3. Kabelanbieter zwingen dazu, für viele Kanäle zu zahlen, die der Abonnent eigentlich nicht will. Wolk dazu: der Zwang entsteht durch die Netzwerke, die mit Bundles Kosten verteilen und so auch Kosten für die Kanäle senken wollen.
  4. Cord-Cutting erlaubt es, den Kabelbetreibern für zu hohe Kosten einen Denkzettel auszustellen. Für Wolk ein Irrtum, denn der Internetanbieter ist in den meisten Fällen: der Kabelbetreiber.
  5. Second Screen ist Social TV und Social TV ist Twitter. Alan Wolk führt hierzu an, dass 75% der Amerikaner Twitter nie oder kaum nutzen. Der Trend zum Binge-Viewing spricht zudem gegen den Trend Second Screen, der hauptsächlich bei linearem Fernsehkonsum greift.
  6. Der TV-Konsum ist zurückgegangen, wegen des Internetkonsums wird weniger fern gesehen. Dies kann Wolk nicht bestätigen: Insgesamt sehen die US-Amerikaner mehr Bewegtbildinhalte denn je, nur nicht immer live.
  7. Überallfernsehen ist das Fernsehen der Zukunft. Diesen Mythos wiederlegt er nicht für alle Zeiten, aktuell sieht er diesen Trend aber nur für Live-Ereignisse als relevant an.

Es ist kein Geheimnis, dass ich das deutsche Fernsehen weder vor dem Niedergang sehe, noch die alleinige  Zukunft des Bewegtbildkonsums in On-Demand Dienstleitern wie Netflix oder Watchever. Die Prüfung der Mythen für Deutschland mag diese Einschätzung entsprechend widerlegen oder bestätigen. Ich bin gespannt.

Alan Wolks 7 Mythen über den Niedergang des Fernsehens
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2 Gedanken zu „Alan Wolks 7 Mythen über den Niedergang des Fernsehens

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